Die überwundene Grenze


Dokumentation zur Geschichte der deutschen Teilung zwischen Harz und Werra


Die leidvolle Vergangenheit sieht man der Grenzregion der heutigen Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen, zwischen dem Harz und dem Werratal bei Bad Sooden-Allendorf, nicht mehr an.

Zumindest auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, das hier zwischen 1945 und 1990 eine Grenzlinie vorhanden war, die in der Geschichte der deutschen Nation eine besondere Stellung einnimmt und deren Existenz zu damaliger Zeit der sichtbare Ausdruck jener gesellschaftspolitischen Gegensätze war, die nicht nur Europa, sondern die gesamte Welt der Gefahr der physischen Vernichtung aussetzten.

Erst auf den zweiten Blick, mancherorts auch erst auf den dritten Blick lassen sich hier und da noch Überbleibsel der Grenzlinie in der Landschaft finden. Neben verwitterten Grenzsteinen mit den Jahresangaben der großen Grenzrevisionen von 1743 oder 1837, findet sich ab und an auch noch ein Grenzstein mit den Insignien "DDR" im Gelände. Diese stillen Zeugen der Vergangenheit können zwar bis in die heutige Zeit Aufschluss über den Verlauf einer Grenze geben, sagen aber nichts über die tatsächlichen Gegebenheiten zu beiden Seiten dieser Grenze aus.

Die ehemalige innerdeutsche Grenze war der sichtbare Teil der leidvollen Geschichte der deutschen Teilung, mit all ihren Schrecknissen und Auswirkungen auf das Miteinander der deutschen Nation, und im weitesten Sinne auch des Miteinanders der Menschen im Westen und Osten Europas. Heute ist die innerdeutsche Grenze Vergangenheit und gerät vielerorts und bei vielen in Vergessenheit. So sehr die Überwindung dieser Deutschland und Europa trennenden Grenze auch zu begrüßen ist, so sehr geraten die Ursachen und Verantwortlichkeiten, die ehedem zu ihrer Errichtung führten, mit dem Abbau und dem Verschwinden der Grenzsperranlagen in Verdrängung.

Heute spricht in Deutschland fast niemand mehr von einer innerdeutschen Grenze, in der Landschaft ist sie ja faktisch  nicht mehr vorhanden. Den älteren ist der Verlauf der Trennungslinie oftmals noch geläufig, einer Trennungslinie, die aber eben nicht nur in der Landschaft, sondern häufig auch in den Köpfen der Menschen zu finden war und zum Teil immer noch ist. Daran macht sich noch immer die Wirkung der Grenze, besser die Wirkung der ideologischen Beeinflussung zu ihrer beiden Seiten bemerkbar und das ist das eigentlich schreckliche dieser geschichtlichen Episode.

 

Allzu häufig resultierten die Kenntnisse über die innerdeutsche Grenze auf mündlichen Überlieferungen und leider viel zu selten auf geschichtlich belegbaren Fakten, sodass sich bereits Zeit ihres Bestehens Gerüchte und Geschichten beiderseits und um diese Grenze bildeten, die oftmals haltlos und bar jeglicher Grundlage bis in die heutige Zeit überdauert haben. Das Missliebige wurde beschönigt und verharmlost, das den jeweiligen Ideologien passende in den Vordergrund gehoben und allzu oft eine Klitterung der tatsächlichen Gegebenheiten vorgenommen.

Einerseits um die belegbaren geschichtlichen Abläufe zu vermitteln, andererseits um gegen das Vergessen der Gegebenheiten an der ehemaligen innerdeutschen Grenze anzugehen, hat der Verfasser dieser Webseite seine Recherchen in der Dokumentation Die überwundene Grenze - Geschichte der deutschen Teilung zwischen Harz und Werra festgehalten.

 

Dokumentiert wird die Entwicklung und Entstehung der Grenzüberwachung auf der westlichen Seite durch die niedersächsische und hessische Polizei, den britischen Frontier Control Service und Zollgrenzschutz, und letztlich die amerikanischen Streitkräfte und den Bundesgrenzschutz der Bundesrepublik. Auf der östlichen Seite widmet sich die Dokumentation der Entstehung der Grenzpolizei Thüringens, der späteren Deutschen Grenzpolizei und den daraus hervorgegangenen Grenztruppen der DDR, namentlich dem Grenzregiment 1 (Mühlhausen), dem Grenzregiment 4 (Heiligenstadt) und dem Grenzregiment 5 (Nordhausen).