Kapitel 1 aus "Die überwundene Grenze - Geschichte der ..."


... Niederlagen der „Achse“ in Nordafrika und Stalingrad und dem Beginn einer wirksamen Sicherung der angloamerikanischen Geleitzüge im Atlantik gegen deutsche U-Boote, zeichnete sich eine Wende des Krieges zugunsten der Allianz gegen das Deutsche Reich ab. Der Mehrfrontenkrieg, die materielle Überlegenheit der Alliierten und die Blockade der deutschen Wirtschaft zeigten zunehmend Auswirkungen. Sie gaben den Alliierten  die Zuversicht, diesen Krieg für sich  entscheiden zu können. Folglich war es an der Zeit, die Kriegsziele gegen Deutschland zu präzisieren und sich Gedanken für eine Zeit in Europa nach dem Krieg zu machen. Es war alliierte Auffassung, dass von Deutschland nie wieder eine Gefahr für den Bestand Europas und der Welt ausgehen durfte.

 

Diesbezügliche Überlegungen wurden erstmalig auf der Konferenz der alliierten Außenminister in Moskau (19.-30.10.1943) getätigt und die Bildung einer Europäischen Beratenden Kommission (European Advisory Commission, EAC) beschlossen. Die mit Sitz in London, unter Beteiligung aller am Krieg gegen Deutschland beteiligten europäischen Staaten, einzurichtende EAC, zuzüglich der USA und Kanada, sollte Lösungen zur Gestaltung eines „Nachkriegseuropas“ erarbeiten, vornehmlich aber die Instrumentarien zur Kapitulation des Deutschen Reiches, seiner Aufteilung in Besatzungszonen und seiner administrativen Behandlung durch die späteren Siegermächte (1). Das Thema der Behandlung eines besiegten Deutschlands wurde auch auf die Tagesordnung der Konferenz der „Großen Drei“ in Teheran (28.11.-1.12.1943) gesetzt. Priorität hatte während dieser Konferenz, zwischen dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, dem britischen Premier Winston Churchill und dem Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion, Josef W. Stalin, die Abstimmung über die gemeinsame Kriegführung gegen das Deutsche Reich. Die Behandlung Nachkriegsdeutschland war nur sekundärer Konferenzbestandteil, trotz allem kam es hierbei zu durchaus differenzierten Ansichten zwischen den Staatschefs. Während die Briten eine Zweiteilung Deutschlands in einen Nordstaat, bestehend aus den nord- und ostdeutschen Provinzen, und einen Südstaat, bestehend aus dem Zusammenschluss der süddeutschen Provinzen mit Österreich zur „Donauföderation“ favorisierten und entsprechend als Vorschlag einbrachten, war für die USA sogar eine Zerstückelung des Deutschen Reiches in fünf Teile vorstellbar. Die Sowjetunion selbst brachte hingegen keinen konkretisierten Vorschlag ein, sondern stimmte lediglich einer generellen Zerstückelung des Deutschen Reiches zu (2). Für sie stand eindeutig der Aufbau einer zweiten und dritten Front zur Entlastung ihrer Armeen, durch die von ihr geforderten Landungen der Alliierten in West- und Südeuropa, im Focus ihrer Bestrebungen. Die entsprechenden Vorschläge der Briten und Amerikaner wurden deshalb zur weiteren Evaluation und Bearbeitung an die EAC nach London verwiesen.

 

Zusammen mit einem bereits im Juli 1943 durch die Briten an die Botschafter der USA und Sowjetunion übergebenen Aide – Mémoire, stellten diese Vorschläge die Arbeitsgrundlage für den nachfolgenden Sitzungsintervall der EAC dar. Am 15.1.1944 trug der britische Vertreter in der EAC (Sir Walter Strang), einen Vorschlag zur Aufteilung Deutschlands in 3 Besatzungszonen vor (eine östliche, eine nordwestliche und eine südwestliche Zone), die federführend durch jeweils eine Macht kontrolliert, aber durch gemischte Truppen besetzt werden sollten. Hiermit war der Vertreter der Sowjetunion nicht einverstanden und bestand auf einer Abänderung der Zusammenstellung der Truppen in den vorgesehenen Zonen, woraufhin sich die Nachverhandlungen im Wesentlichen auf die Zuordnung der Truppen in den vorgesehenen Besatzungszonen konzentrierten. Am 18.2.1944 stimmte der sowjetische Vertreter in der EAC dann dem abgeänderten Vorschlag zur Bildung von drei Besatzungszonen zu. Nun waren es aber die Amerikaner, denen die zunächst avisierte Trennung der westlichen von der östlichen Besatzungszone, auf der Linie Ostsee - Lübeck - Helmstedt - Harz - Eisenach - Hof - CSR, nicht mehr zustimmungsfähig erschien. Nach Auffassung des amerikanischen Präsidenten würde eine ...


Abb. 1


Besatzungszonen im August 1945 und Dokumentationsbereich