Kapitel 4 aus "Die überwundene Grenze - Geschichte der ..."


... zur weiteren Verlegung von Kräften war also in hohem Maße abhängig von den verfügbaren Finanzmitteln des Bundes für Instandsetzungen oder den Neubau von Kasernen und der Bereitschaft der Besatzungsmächte zur Räumung der von ihnen genutzten Liegenschaften.

 

Schon frühzeitig bestand im BMI die Auffassung, dass die Kräfte des BGS in der jetzigen Stärke und Gliederung nur bedingt in der Lage wären, die Grenzüberwachung zur DDR und Tschechoslowakei lückenlos und ununterbrochen zu gewährleisten. Nach Auffassung des BMI hätte es dazu einer Verdoppelung der Kräfte bedurft, für die es jedoch bis Mitte des Jahres 1953, trotz zunehmender Probleme an der Grenze zur DDR, keine parlamentarischen Mehrheiten gab. Immer wieder kam es an der Grenze zu Gebietsverletzungen, die oftmals dem unklaren Grenzverlauf geschuldet waren oder bewusste Provokationen der amerikanischen Besatzungstruppen, respektive der ostzonalen Grenzpolizei darstellten. Anhand von zwei Vorgängen, einmal einem Vorfall am 17.4.1953 und den sich anschließenden Tagen bei Rimbach und einem zweiten, sehr kuriosen Vorfall vom Juli 1952, der aber erst am 6.5.1953 zu wirklicher Bedeutung gelangte, soll die Situation im nordhessischen Gebiet verdeutlicht werden. Da ist zunächst der Grenzzwischenfall vom April 1953 zwischen Rimbach und Werleshausen, der sich im Grenzlagebericht der GSA Mitte IV vom 20.4.1953 wie folgt liest (137):

 

„Südwestlich der Ruine Hanstein versuchten SBZ-Grenzpolizisten ein Gebiet der Größe 160 x 20 Meter durch Einschlagen von Pfählen zu annektieren. (Straße Werleshausen-Bornhagen) Die mit russischen Offizieren geführten Verhandlungen blieben ergebnislos. Die Zufahrt zu westdeutschem Ackerland war durch die Maßnahme unmöglich geworden. Es wurde ein durch einen M8 verstärkter Zug zur Grenzsicherung eingesetzt.“

 

Ähnlich, wenngleich ausführlicher und in Details abweichend, beschreibt ein Bericht der SED-Kreisleitung Heiligenstadt die Vorkommnisse an der Grenze in der Nähe von Bornhagen, Ortsteil Rimbach (138):

 

„Am Freitag, den 17.4.1953, und zwar in der Nacht zum Sonnabend, den 18.4.1953, wurden 2 Kompanien, davon eine Kompanie Söldner und eine Kompanie Amis, haarscharf an die Grenze in der Nähe von Rimbach geschickt. Die Kompanien sind ausgerüstet mit Schnellfeuerwaffen, darunter MG34, Telefonanlagen, Funkanlagen und sonstigen Ausrüstungen. Sie liegen in Stellung und die Läufe sind auf den Stützpunkt in Rimbach gerichtet. Zu Schießereien zwischen unserer Grenzpolizei und den Söldnern drüben ist es bis auf das Schießen von Leuchtkugeln noch nicht gekommen. Unser Grenzkommando hat in der Nähe von Rimbach einen Stacheldrahtzaun an den Stellen gezogen, wo eine schlechte Übersicht vorhanden ist. Darauf wurde an einer Stelle, wo die Grenze durch einen Obstgarten geht, von den Gegnern, Karabiner und Pistolen im Anschlag, unserem Kommando das ...

 

……………

 

... die Art und Weise der Niederringung der Aufständischen durch die bewaffneten Organe der DDR und der Sowjets ausschlaggebend für die am 19.7.1953 vom Bundestag beschlossene Erhöhung der Personalstärke des Bundesgrenzschutzes auf insgesamt 20000 Mann (die Personalstärke der noch zu beschreibenden Grenzpolizei der DDR betrug am 1.9.1953 bereits 25541 Mann, davon 13131 Mann an der Westgrenze der DDR (141)). Die Planungen sahen eine Verstärkung des BGS auf vier Grenzschutzkommandos zu je zwei Grenzschutzgruppen mit jeweils drei Grenzschutzabteilungen vor, denen noch diverse Sonderverbände zugeteilt werden sollten. Die auch als „Vermehrung“ bezeichnete Aufstockung des BGS sollte durch die Abgabe von Personal- und Materialstämmen aus den bestehenden Stammverbänden an die neu aufzustellenden Aufwuchsverbände erfolgen, sodass innerhalb einer kurzen Zeitspanne sowohl die neu aufzustellenden Verbände zu großen Teilen einsatzbereit waren, als auch die abgebenden Stammverbände einsatzbereit blieben.

 

Neben der Bildung zahlreicher Stamm- und Aufwuchsverhältnisse bedurfte es dazu einer Anpassung der Dislozierungen und Unterstellungsverhältnisse, um die angestrebte Struktur (siehe Abb. 21) schnellstmöglich bis Ende 1954 umzusetzen. Zunächst wurden zum Jahreswechsel 1953 / 1954 die Stäbe der sogenannten Ausbildungsleiter gebildet, die innerhalb der GSK für die Führung, Aufstellung und Ausbildung der alten und neuen Verbände verantwortlich waren und die abschließend zu Stäben der geplanten Grenzschutzgruppen umgewandelt wurden. Die Stamm- und Aufwuchsverbände wurden in der Bezeichnung durch den Anhang „Ausbildungsabteilung“ bei den neu zu bildenden Verbänden unterschieden. Die unterschiedlichen Maßnahmen des Aufwuchses und der Struktureinnahme ...


Abb. 14


Aufbau des Zollgrenzschutz-Britische Zone bis Juli 1949