Kapitel 5 aus "Die überwundene Grenze - Geschichte der ..."


... jedoch nicht eingeführt (214). In diese Erprobungsphase hinein erging am 12.12.1951 ein erneuter Befehl zur Umstrukturierung der Grenzpolizei durch die Bildung von Abteilungsstäben.

 

Mit Wirkung vom 1.1.1952 wurden die Abteilung Nord mit Stab in Schwerin, die Abteilung Mitte mit Stab in Magdeburg, die Abteilung Ring um Berlin mit Stab in Berlin und die Abteilung Süd mit Stab in Weimar gebildet. Der Grenzpolizei-Abteilung Süd unterstanden die Grenzpolizei-Bereitschaften-I in Ellrich, GPB-II in Mühlhausen, GPB-III in Dermbach, GPB-IV in Meiningen, GPB-V in Köppelsdorf und die GPB-VI in Gefell (215). Dass nach der Staatsgründung der DDR die SKK weiterhin maßgeblichen Einfluss auf Entscheidungen, die Grenzpolizei betreffend, ausübte, ist unter anderem in zahlreichen Aktenvermerken zu Stationierungsänderungen der Grenzpolizei überliefert. Hieraus geht hervor, dass die Stäbe der Grenzbereitschaften auf Anweisung der Sowjets in den Standorten des zugewiesenen sowjetischen Truppenteils zu liegen hatten und entsprechend umziehen mussten, sollten die Sowjets einen Standortwechsel vornehmen. Belegt sind Standortwechsel von Grenzpolizeistäben, die im Zusammenhang mit Standortwechseln der Sowjets stehen und in Vollzugsmeldungen zur Einnahme der Struktur gemäß Befehl 76/51 MdI (HV DVP, HAG) bekanntgegeben wurden. Unter anderem meldete die Grenzbereitschaft Mühlhausen am 6.1.1952 an den Abteilungsstab-Süd, noch mit Stab in Mihla, den bevorstehenden Umzug des Stabes von Mihla nach Mühlhausen. Begründet wird der Umzug in der Meldung mit der Verlegung des sowjetischen Grenzbataillons von Mihla nach Mühlhausen (216). Bereits zwei Tage früher hatte die Grenzbereitschaft Ellrich den Umzug des Bereitschaftsstabes von Ellrich nach Nordhausen ins dortige Behördenhaus gemeldet. Damit einhergehend wurde die Verlegung  des Kommandanturstabes der Grenzkommandantur Gudersleben (217) in das nun frei gewordene Gebäude des Bereitschaftsstabes in Ellrich bekannt gegeben. Auch hier war der Standortwechsel des sowjetischen Bataillons von Ellrich nach Nordhausen Ursache für die Verlegung des Bereitschaftsstabes der GPB Ellrich.

 

Zur Jahreswende 1951-1952 erfuhr die politische Entwicklung zwischen Ost und West eine neue Dynamik. Die Bemühungen der jungen Bundesrepublik um eine Integration in die westliche Verteidigungsallianz, die im Wesentlichen auch mit der Bereitstellung eines westdeutschen militärischen Beitrages erfolgen sollte, war ohne bestimmte Voraussetzungen undenkbar. Hierzu zählte nach dem ...

 

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... Grenzpolizei“ geworben werden. Die hierzu erforderlichen Voraussetzungen verfügte die Staatsführung der DDR am 5.6.1958 mit der Verordnung über die Zulassung freiwilliger Helfer der DGP (247). Zur Gewinnung entsprechender Freiwilliger startete die SED eine ungeheure Kampagne. Quasi in jedem Grenzdorf wurden durch die Gemeindevertretungen Versammlungen einberufen und die „moralische Keule“ geschwungen. Es entwickelte sich im Sperrgebiet ein regelrechter Wettbewerb um die meisten geworbenen Grenzhelfer pro Dorf. Nicht selten erklärten sich ganze Ortschaften zu „Grenzhelferdörfern“. Ein belegter Fall trifft für das Jahr 1958 und die Ortschaft Obersachswerfen zu. Hier erklärte der Gemeinderat, dass sich alle 182 Einwohner gegenüber der Nationalen Front zur Wachsamkeit und Zusammenarbeit mit der Grenzkompanie Obersachswerfen verpflichteten (248). Ein weiterer Fall, für die Erklärung eines Grenzdorfes zum Grenzhelferdorf, ist für das Jahr 1960 und das Dorf Berlingerode belegt. Am 25.6.1960 unterzeichnete ein späterer, langjähriger stellvertretender Kommandeur für Politische Arbeit des Grenzregiments 4 die Patenschaftsurkunde zwischen dem Grenzhelferdorf Berlingerode und der DGP Dienststelle in Berlingerode (249).

 

Am 10.2.1960 beschloss die Volkskammer der DDR die Annahme des Gesetzes über die Bildung des Nationalen Verteidigungsrates (NVR) (250). Mit der Bildung des NVR wurde die bisherige Sicherheitskommission des ZK der SED aufgelöst und ihre Funktionen an den NVR übertragen. Der NVR war Zeit seines Bestehens, bis zu seiner Auflösung durch den Staatsrat der DDR am 6.12.1989, das oberste Staatsorgan für die Angelegenheiten der nationalen Verteidigung. Die Mitglieder des ...


Abb. 43


Gliederung der Deutschen Grenzpolizei (DGP) am 1.1.1953