Kapitel 7 aus "Die überwundene Grenze - Geschichte der ..."


... wurde zu einer „Beobachtungsstation“ ausgebaut, aus der heraus mit Richtmikrofon und Teleobjektiv die entsprechenden Aufklärungen gegenüber Besuchergruppen und Grenzeinweisungen des BGS erfolgten. Damit die eingesetzten Kräfte der Grenztruppen unbemerkt an diesen Raum herankommen konnten, war im Grenzzaun-I eine speziell verschließbare kleine Türöffnung eingelassen. Trotz dieses enormen personellen, materiellen und finanziellen Aufwandes ließen sich die Werte für die Wirksamkeit der Grenzsicherung nicht im von der DDR-Führung erwünschten Maße steigern.

 

Die vorstehend beschriebenen Nachteile der Bataillonssicherung, ohne detailliert auf deren negative ökonomische Bilanz einzugehen, veranlassten die Führung der Grenztruppen zur Handlung. Nachdem in Vorgesprächen mit dem Ministerium für Nationale Verteidigung die politische Zustimmung erfolgt war, entschloss sich die Grenztruppenführung zur Erprobung eines neuen Sicherungssystems. Mit dem Ausbildungsbefehl Nr. 101/79 des MfNV für das Ausbildungsjahr 1979 / 1980, wurde in Ziffer 2. (8) der Auftrag zur „Erprobung eines weiterentwickelten Systems der Grenzsicherung“ in den GR-23 und GR-4 durch die Bildung von Grenzwachen erteilt. Beiden Grenzregimentern waren detaillierte, aber unterschiedliche Vorgaben für die Führung der Erprobungstruppenteile erteilt worden. Es war vorgesehen, dass sich die Führung der Grenzwachen im GR-23 an den Bedingungen der Bataillonssicherung zu orientieren hatten (Führung durch den Kommandeur des Grenzbataillons), während im Grenzregiment 4 erneut die Bedingungen der Kompaniesicherung als Grundlage zur Anwendung zu kommen hatten, bei der die Führungsverantwortung beim Kompaniechef, respektive beim jetzt neugeschaffenen Leiter ...

 

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... 1981 in eine den Umständen angepasste und dem eigenen Vorschlag folgende, zweckmäßigere Struktur um, die in etwa wieder dem Stand des Juni 1980 entsprach. Mitte Juli 1981 ging dann beim Grenzregiment 4 die Bestätigung des eingereichten Vorschlags ein, und wenige Tage später folgte ein neuer Stärke- und Ausrüstungsnachweis (STAN) für die Erprobungstruppenteile, mit entsprechenden Stellenbesetzungslisten und anderen für die Erprobung erforderlichen Anordnungen und Weisungen. Im Befehl Nr. 36/81 des StMCGT, vom 21.7.1981, über die Weiterführung eines weiterentwickelten Systems der Grenzsicherung, heißt es:

 

„ Zur Durchsetzung des Befehls Nr. 101/79 des Ministers für Nationale Verteidigung, Ziffer 2. (8), und des am 13.7.1981 durch den Minister für Nationale Verteidigung bestätigten Vorschlags zur Weiterführung der Erprobung befehle ich:

 

1.) Vom 15.9.1981 bis zum 31.5.1982 ist die Erprobung des weiterentwickelten Systems der

  Grenzsicherung im Bestand:

  - des Grenzregiments-23 im Grenzkommando Nord,

  - des Grenzregiments-4 im Grenzkommando Süd

  auf der Grundlage des bestätigten Stellenplan- und Ausrüstungsnachweises sowie gemäß der in der

  Anlage 1 festgelegten Dislozierung weiterzuführen.

 

2.) Unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen der Erprobung im

  Bestand  von Truppenteilen sind von Juni 1982 bis November 1982 die Voraussetzungen zum

  planmäßigen Übergang der Grenzregimenter der Grenzkommandos Nord und Süd zum

  weiterentwickelten System  der Grenzsicherung zu schaffen.

  Die Weiterführung der Erprobung hat das Ziel:

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... werden konnten. Den Übergang in die neue Struktur hat der damalige Grenzsoldat P. Martin, damals 3. GK Weilrode, im Jahr 2014 wie folgt in Erinnerung und vermittelt mit seiner Auskunft eine ungefähre Vorstellung von den Schwierigkeiten beim Übergang in die neue Erprobungsstruktur (303):

 

„In der GK Weilrode, also nicht nur dort, sondern es betraf das ganze Grenzbataillon Klettenberg, falls ich das noch richtig in Erinnerung habe, wurde im Herbst 1981 auf das neue Sicherungssystem umgestellt. Außerdem wurden die Grenzkompanien neu aufgeteilt. Silkerode gehörte vorher nicht zu unserem Abschnitt, der ging von Ellrich bis Weilrode (Anm.: der Abschnitt des I.GB Klettenberg vor der Einnahme der neuen Struktur), wurde zur Grenzwache. Von da aus wurde die Hauptsicherung vorgenommen und die Grenzkompanien wurden nur noch zur Unterstützung herangezogen (Absicherung der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten, Grenzausbau, Hinterlandsicherung, manchmal Kontrolle K2 oder K6, Stellen der A-Gruppe), vorwiegend als Dreier-Posten und alle aus dem gleichen Diensthalbjahr. Außerdem mussten wir regelmäßig Wachdienst in der Grenzwache stellen. Da wir die Letzten waren, die das alte Sicherungssystem (Anm.: Bataillonssicherung) kennen gelernt hatten und uns im ganzen Abschnitt auskannten, wurden wir öfters zur Grenzwache befohlen um dort für die „Neuen“ Unterstützung zu geben, wenn nicht genug Grenzaufklärer da waren. Dann hat zwar ein Unterleutnant geführt, aber Bescheid gewusst hat nur der „alte“ Postenführer.“

 

Einen weiteren Schwerpunkt im Rahmen der Erprobung bildete die Funktionalität und Wirksamkeit der Grenzsperranlagen. Ein Grund für die Erprobung des neuen Systems war ja die Absicht, die lineare Sicherung aufzugeben und zu einer Sicherung in der Tiefe des Grenzgebietes überzugehen, die es unter anderem erlaubte, Grenzdurchbruchsversuche frühzeitig durch den kombinierten Einsatz von ...


Abb. 87


Wasserbehälter an der Straße Mackenrode-Tettenborn