Kapitel 8 aus "Die überwundene Grenze - Geschichte der ..."


... Grenzausbildungsregiment 11 (Eisenach) den Befehl zur Auflösung (324), nur wenige Tage später, am 1.8.1989, auch das Grenzausbildungsregiment 12(325).  An ihrer Stelle sollte, für die südlichen Grenzbezirkskommandos, zukünftig das neu aufzustellende Grenzausbildungszentrum 12 (GAZ-12) in Plauen zuständig sein. Innerhalb kürzester Zeit wurden alle Grenzregimenter aufgelöst und aus ihnen sukzessive die neuen Strukturelemente geschaffen:

 

-  1.8.1989:     Auflösung Grenzregiment 3, Neuaufstellungen im GBK-3 und GBK-4

-  20.8.1989:   Auflösung Grenzregiment 4 und Neuaufstellung GKK 301 und GKK 303

-  21.8.1989:   Auflösung Grenzregiment 1 und Neuaufstellung GKK 302 und GKK 304

-  1.9.1989:     Auflösung Grenzregiment 20 und Neuaufstellung GKK 204 und GKK 205

 

Ende August 1989 meldete der StMCGT die Einnahme der Struktur im Grenzbezirkskommando 3 (Meldung vom 25.8.1989) an den Minister für Nationale Verteidigung, obwohl sich die tatsächlichen Maßnahmen noch bis zum 24.11.1989 hinzogen und das Grenzkommando Süd bis dahin nicht außer Dienst gestellt wurde. Die Einnahme der neuen Struktur stellte für die Grenztruppen den größten Einschnitt seit dem Mitte der 1950er Jahre erfolgten Übergang von der polizeilichen zur militärischen Grenzsicherung dar. Mit der neuen Struktur verloren die Grenztruppen eindeutig die militärischen Fähigkeiten zur Ausführung von Gefechtsaufgaben im Sinne der Landesverteidigung der DDR. Überdies ...


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... Abend des 9.11.1989 nicht unterstellt werden. Wie fatal sich die von Schabowski verlesenen Worte „jeder Bürger der DDR, an jeder Grenzübergangsstelle der DDR, ausreisen und sofort, unverzüglich“ auswirkten, merkten nicht nur die Besatzungen der Grenzübergangsstellen in Berlin, sondern sie wurde an allen Grenzübergangsstellen der DDR zur Bundesrepublik wahrgenommen. Wie sich die Situation im Eichsfeld entwickelte, hier besonders an der Grenzübergangsstelle Worbis-Duderstadt, daran konnte sich der letzte Kommandant der GÜSt, der damalige Oberstleutnant Kaps, im November 2014 noch genau erinnern. Seine Darstellung der Geschehnisse ist nachfolgend zusammengefasst wiedergegeben und gewährt einen Einblick in die damalige, allgemeine Führungssituation in den Grenztruppen und die spezielle Situation des Grenzübergangsstelle Worbis - Duderstadt (326):

 

„Es gehörte zu den obligatorischen Dienstpflichten der Kommandeure der verschiedensten Führungsebenen innerhalb der Grenztruppen, dass sie mit den ihnen unterstellten Kommandeuren in der ersten Monatsdekade regelmäßig Dienstbesprechungen durchzuführen hatten. Die inhaltlichen Schwerpunkte dieser Besprechungen lagen in einer umfassenden Beurteilung der Lage im Verantwortungsbereich und der Herausarbeitung von Schlußfolgerungen und Aufgaben für die nächste Zeit (Wochen bzw. Monate). Besonders in den Besprechungen in den Monaten Oktober und November 1989 wurde sehr intensiv und umfassend die Lage beiderseits der Grenze beurteilt und Befehle und Weisungen erteilt, um dem gewachsenen und weiter wachsenden Druck auf die Grenze, aus dem eigenen Hinterland, standzuhalten und möglichen Provokationen von westlicher Seite besonnen zu begegnen. Notfalls sollte die Schusswaffengebrauchsbestimmung außer Kraft gesetzt werden. Man war sich damals, nach kontrovers geführten Aussprachen, einig, alles zu tun um solche Situationen zu entschärfen, die Ruhe zu bewahren und der Deeskalation den Vorzug vor der Gewaltanwendung zu ...

 

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... Wehrpflichtigen ergaben sich allerdings erhebliche Mehrbelastungen für die verbliebenen Berufssoldaten in den Grenzwachen und Grenzübergangsstellenbereichen. Innerhalb des Grenzbezirkskommandos 3 (Erfurt) wurde diese neue Gliederung zum 1.3.1990 zur Übernahme befohlen. Danach ergaben sich folgende Grenzübergangsstellenbereiche:

 

-  Grenzübergangsstellenbereich 1 mit Standort in Ellrich   (bisherige 2.GK im GKK-301)

-  Grenzübergangsstellenbereich 2 mit Standort in Teistungen   (bisherige 4.GK/GKK-302)

-  Grenzübergangsstellenbereich 3 mit Standort in Hohengandern   (bisher 3.GK/GKK-303)

-  Grenzübergangsstellenbereich 4 mit Standort Hildebrandshausen   (bisher 5.GK/GKK-303)

-  Grenzübergangsstellenbereich 5 mit Standort Schnellmannshsn.   (bisher 10.RGK/GKK-304)

-  Grenzübergangsstellenbereich 6 mit Standort Wartha   (Kaserne Wartha/Neuenhof)

-  Grenzübergangsstellenbereich 7 mit Standort Neustädt   (bisher 11.RGK/GKK-304)

-  Grenzübergangsstellenbereich 8 mit Standort Herda   (ehemalige Kaserne GB Herda)

 

Parallel zu dieser erneuten Reorganisation der Grenztruppen, die ihre letzte werden sollte, wurde der Abbau der Grenzanlagen mittlerweile nicht nur durch die Grenztruppen ausgeführt, sondern oftmals durch die Bevölkerung der Grenzorte in Ost und West selbst vorgenommen. Häufig kam es vor, dass der Abbau der Grenzanlagen in kleinen Volksfesten endete und die zaghafte Annäherung der fast 45 Jahre getrennten Menschen aus der DDR und Bundesrepublik fortschreiten ließ. Viele der damals gemachten Bekanntschaften entwickelten sich zu bis heute bestehenden Freundschaften ...


Abb. 118


Überschwengliche Freude ob der Grenzöffnungen